architectural project NEW CONCERT HALL | nuremberg

SKY DOME

Die exquisite Qualität der Meistersingerhalle liegt in der minimalistischen, monolithischen Strenge Ihrer Geometrie. Diese wird subtil rhythmisiert wird durch repetitiv angeordnete vertikale Stabelemente, so dass von der horizontal-langgestreckten Fassade eine musikalisch-partiturhafte Anmutung ausgeht. Der Neubau des Konzerthauses ergänzt das bisher alleinstehende Gebäude der Meistersingerhalle zu einem Gebäudeensemble. Insofern stellt sich die konzeptionelle Frage, wo formale und gestalterische Ähnlichkeiten naheliegen und wie zugleich die Eigenständigkeit der beiden Baukörper ablesbar bleiben kann.

Während die Meistersingerhalle einen flachen, horizontal hingestreckten Eindruck vermittelt, ragt der Neubau der Konzerthalle hoch hinaus. Er bildet dadurch einen starken Kontrast zur bestehenden Halle und versetzt die dabei neu entstehende Plaza in einen inspirierenden Spannungszustand. Zugleich nimmt die Betonkonstruktion der Konzerthalle die strenge und repetitive Rhythmisierung der Meistersingerhalle auf und transformiert deren Orthogonalität in eine ellyptisch gewölbte, gläserne Dachkonstruktion, den SKY DOME.

Dieser SKY DOME ist das neue Wahrzeichen des Ensembles. Er gibt dem Konzerthaus eine ikonografische Identität und beschirmt den Konzertsaal, der frei dort hineingestellt ist wie ein wertvolles Instrument. Die klare konstruktive Struktur dieses SKY DOMES, der aufgrund seiner Länge auch den Charakter eines Zeittunnels hat, wird kontrastiert durch den Shoe-Box-ähnlichen Konzertsaal. Dessen redundante und performative Erschließung, seine unterschiedlichen Zugänge auf unterschiedlichen Ebenen, seine (wie große Fenster) eingeschnittenen Logen, auch die Regiekabine und die Technikdecke usw., all das liegt offen zutage und ist von Außen sichtbar für die KonzertbesucherInnen. So zeigt sich der Große Saal nicht elegisch umhüllt oder durch andienende Nutzungen versteckt, sondern freigestellt wie ein Gerät, eine Maschine oder ein komplexes Instrument. Auf besonders anspruchsvoll gestaltete Oberflächen oder exquisite Geometrien wird bewusst verzichtet: Von Außen betrachtet ist dieser Große Saal lakonisch präsent in seinem ‚So Sein‘. Der spannungsvolle Dialog zwischen der einfachen aber leistungsfähigen Geometrie des Saales und der ephemeren und suggestiven Wirkung des Sky Domes prägt Wirkung unseres Vorschlages.

DIE SKY PLATTFORM
Oberhalb der begehbaren Technikdecke des Großen Saales schlagen wir eine multifunktionale Plattform vor. Sie liegt 32.50 Meter über EG-Niveau und bietet ein Panorama über Nürnberg. Im Süden geht der Blick über den Luisenhain, das Gelände um die Kongresshalle, den Dutzenteich, die Neue Messe und das Frankenstadion, im Norden über die Altstadt bis hinüber zur Kaiserburg. Diese offene Plattform, gut erschlossen durch leistungsfähige Aufzüge und Treppenhäuser, ist unser konzeptionelles Ad-On: Auf ihr können Lesungen, Empfänge, Feste und Feierlichkeiten stattfinden. Hier, auf dem Dach der Stadt, ist der Blick weit und frei. Unter dem lichtüberfluteten SKY DOME können experimentelle Musikformate erprobt werden, können Cross-Media- oder auch kommerzielle Veranstaltungenn stattfinden, die zur Finanzierung der Unterhaltskosten des Neuen Konzerthauses beitragen können.

DER GROSSE SAAL
Im Inneren dann wird alles Weitere dem perfekten Klang untergeordnet: So z.B. die Proportionen des Saales, die ausdifferenzierte Textur der Wände mit oder die große, perforierte Kassettendecke mit der darüber befindlichen Technikdecke: All diese Einzelentscheidungen haben zum Ziel, eine maximale Klangqualität möglich zu machen. Um eine vollständige Hermetik zu vermeiden, gibt es auf Höhe der Logen rechts und links jeweils eine große Öffnung in diese Shoe Box. Durch sie kann Tageslicht hereinfallen. Hier finden jeweils 150 BesucherInnen Platz. Diese Sitzplätze sind zum Teil seitlich über dem Orchester angeordnet. Die gläserne Rückwand und das gläserne Dach dieser Logen ist in Zick-Zack-Manier gefaltet, um auch dort einen entsprechend optimierten Klang und kontrollierbare Nachhallzeiten zu gewährleisten. Durch transluzente Vorhänge können fallweise unerwünschte Ein- und Ausblicke gesteuert und ggf. vermieden werden.

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